Podiumsdiskussion zum Thema Arbeit und Rente

Gestern Abend durfte ich  im PresseClub bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Länger leben, flexibler arbeiten – mit Absturz in die Altersarmut?“ mitdiskutieren. Organisiert wurde das Ganze von TELI, der ältesten Journalistenvereinigung für technisch-wissenschaftliche Publizistik der Welt. Mit dabei waren nicht nur Vertreter von Wissenschaft und NGOs, sondern auch sechs Kandidaten für den Bundestag – mich eingerechnet. Das Format wurde zum ersten Mal ausprobiert und das Ganze war dementsprechend ein Experiment.

Nach Anstößen durch Dr. Coppola vom MEA, die man auch in dieser Ausgabe von Max-Planck-Forschung findet, und Herrn Teufel vom Verein ADG wurden vom Publikum Fragen gesammelt. Danach hatten die (Möchtegern-)Politiker 5 Minuten Zeit zur Stellungnahme. Die Piratenforderung, die Beitragsbasis zu verbreitern indem man alle Gruppen einbezieht, teilten auch andere Parteien (zur passenden Stelle in unserem Programm). Das ging einher mit den Vorschlägen des MEA, die eine verstärkte Einbeziehung von Einwanderern, Frauen, Jungen und Alten in der Arbeitswelt forderten. Dabei betonte Dr. Coppola, dass ältere Menschen den jüngeren nicht zwingend Arbeitsplätze nehmen würde, weil sie sich in ihren Fähigkeiten meistens ergänzen würden. Eine Einschätzung, die ich teile. Gleichzeitig zeigten aber die Projektionen des MEA, dass die Einbeziehung jüngerer den kleinsten Effekt hätte. Einbeziehung heißt hier aber: den Jüngeren durch G8 statt G9 ein Jahr mehr Lebensarbeitszeit aufhalsen, sie durch Umstellung von Studiensystemen schneller Abfertigen um „Arbeitskräfte“ zu schaffen. Das hat natürlich Folgen, werden die Schlangen vor den psychologischen Betreuungsdiensten doch immer länger.

Erfreulich war, dass nicht nur eine Erhöhung der Zahl der Erwerbstätigen von allen bedacht wurde, sondern auch eine Erhöhung der Produktivität, allen voran durch mehr Bildung. Leider war ich aber der einzige, der entschieden darauf hinwies, dass man die Produktivität nicht nur durch mehr Bildung steigern könnte, sondern auch durch Reformen der Wirtschaft, z.B. durch Überarbeitung der Immaterialgüterrechte. Diese halten uns derzeit nämlich mehr zurück, als dass sie uns nützen. Ein Beispiel: Wie sehr bremsen uns Patente mit Laufzeiten von 20 Jahren ein einer Zeit, in der manche Produkte kaum mehr als ein paar Monate als „neu“ gelten?

Es waren viele Diskutanten und dementsprechend war wenig Zeit, auf alles einzugehen. Zu der von uns gewünschten Entkopplung von Erwerbsarbeit und Existenz konnte ich leider nicht so viel sagen, wie ich es wollte.

Alles in allem ein ganz Interessanter Abend. Das Format empfinde ich als sinnvoll, auch wenn es in nur 2,5 Stunden mit so vielen Teilnehmern nicht richtig funktioniert.

Ein Foto zum Schluss:

Alex disktutiert mit Klaus Ernst (Linke, gerade abwesend), Dieter Janecek (Grüne), Dr. Daniel Volk (FDP), Roland Fischer (SPD), Max Straubinger (CSU) über Arbeit und Rente.