Piraten auf dem Isarcamp

Vom 3. bis 9. Juni 2013 fand in München die 2. Münchner Webwoche – veranstaltet durch das Isarnetz – statt. Diese Reihe von Events soll Startups in der Internetwirtschaft dabei helfen, auf die Beine zu kommen und Kontakte zu knüpfen. Der Abschluss der Woche war dabei dieses Mal das erste Isarcamp. Veranstaltungsort waren die Gebäude rund um die Nachtkantine in der Kultfabrik am Ostbahnhof. Thematisch ging es dort vor allem um Collaborative Consumption, Crowdfunding und Collective Intelligence.

Natürlich war unser erster Gedanke, dass wir Piraten uns da blicken lassen müssen. Welche Branche liegt uns Piraten näher als Start-Ups der Internetwirtschaft? Schlussendlich gingen  Anna Lang (Landtagskandidatin), Wolfgang Britzl (Basis) und ich auf dieses BarCamp.

Zuerst waren wir jedoch skeptisch. Viele Nachrichten der letzten Monate waren für uns Piraten nicht gerade motivierend. Wie würde man uns dort aufnehmen? Skeptisch? Würde man uns belächeln oder gar nicht erst akzeptieren? War Politik dort vielleicht gar nicht erwünscht oder Vernetzung mit uns ungern gesehen? Wir hatten keinerlei Vorstellung davon, wen wir dort antreffen würden und wie die Veranstaltung zur Vernetzung beitragen würde.

Allerdings dachten wir uns auch: Wenn man es nicht ausprobiert, wird man es nie herausfinden!

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In der Nachtkantine angekommen erfuhren wir sofort ähnliche Zustände, wie wir sie von Parteitagen der Piraten kennen: Kein W-Lan durch Überbelastung, Abstimmungen über die Tagesordnung, Redebeiträge nach dem Muster „alles ist schon gesagt, aber noch nicht von jedem“. Auch der Quoten-Grüne von Listenplatz 22 durfte nicht fehlen 😉 Wir fühlten uns also gleich wie daheim und diese Atmosphäre sollte sich fortsetzen.

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Wir folgten getrennt Vorträgen von Firmen, die sich mit Augmented Reality, Peer to Peer Plattformen und Knowledge-Sharing beschäftigen

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Natürlich durften wir im Publikum zum Thema Netzneutralität nicht fehlen und machten durch unsere Wortmeldungen auf uns aufmerksam:

zu meiner Session über #Netzneutralität beim #isarcamp kamen fast nur Leute, die sich bestens auskennen! @bpwned @wolfgang_britzl u.a.

— Andreas Hömme (@AndreasHoemme) June 7, 2013

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Das gab uns die Zuversicht, dass unsere Themen durchaus Interesse wecken und der politischer Handlungsbedarf in diesem Umfeld erkannt wird. Kurzum entschlossen wir uns am Samstag dazu, einen eigenen Session-Slot zum Thema „Online-Partizipation“ anzubieten. Mir war ein bisschen mulmig zumute, als ich die Session Mittags bei der Besprechung der Tagesordnung anbot, aber als dann so viele Finger von Interessierten nach oben schnellten, dass wir auf Anhieb den größten Raum bekamen, beruhigte ich mich wieder.

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Wäre das Wetter nicht so gut gewesen, wäre der Raum dann sicher auch voll gewesen. Aber man kann nicht alles haben. So führte ich die Session durch eine Diskussion und regte die Teilnehmer zu kritischen Wortbeiträgen an. Auch hier war das Interesse und das Feedback zu unseren politischen Position durchgängig positiv. Zwischenzeitlich gar euphorisch durch Wortbeiträge wie „Diese barrierefreie Möglichkeit zur Partizipation ist wirklich genial und euer Alleinstellungsmerkmal“. Dabei versuchten wir absichtlich mehr den Fokus auf Online-Partizipation im Allgemeinen zu halten, und gar nicht so sehr die Piratenpartei in den Vordergrund zu rücken. Aber die Teilnehmer hatten andere Absichten – und wir haben uns nicht beklagt 😉

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Auch Anna fand einige spannende Parallelen zu den Piraten. Zuerst wurde sie auf die „webgrrls“ aufmerksam. Ein Frauen-Business-Netzwerk, dass es sich zur Aufgabe macht die Vernetzung von Frauen in der Berufswelt endlich voranzubringen. Ein Thema mit dem sich einige Piratinnen auch schon länger beschäftigen. Ebenso waren die Diskussionen über Vertrauen in Peer-to-Peer Plattformen und deren Bewertungssystemen sehr ähnlich zu denen die innerhalb der Partei immer wieder geführt werden. Der Redebedarf geht hier fast ins Unendliche und lässt nie die Generationenproblematik aus.

Alles in Allem war es eine motivierende Veranstaltung mit vielen Interessanten Teilnehmern. Gleichzeitig ein Hoffnungsschimmer, dass unsere Politik eben doch alles andere als bedeutungslos oder, durch Mangel an Unterstützung, sinnlos ist. Weitere Events mit ähnlichem Aufbau würden der Netzgemeinde in München helfen sich weiter zu etablieren. Und ich bin mir sicher, die Piraten sind auch das nächste Mal wieder dabei. Denn wir werden die Kalender im Auge behalten und bei solch relevanten Events immer auftauchen.

Ihr auch?